Wie findest du deine künstlerische Stimme wirklich findest?
(ARTISTIC VOICE)
Wie finde ich eigentlich meinen eigenen Stil als Designer oder Künstler? Gibt es den überhaupt? Oder ist das alles nur ein Mythos?
Die Kernthemen im Überblick
Was dich in diesem Artikel erwartet:
Der Mythos Stilsuche: Warum „Finden“ oft „Versteifen“ bedeutet.
Die Wissenschaft der Kreativität: Warum dein Gehirn das Chaos im Skizzenbuch liebt.
Handwerk vs. Kopie: Warum Basics das Fundament deiner Freiheit sind.
Die Marketing-Perspektive: Wie du Konsistenz bietest, ohne dich kreativ einzusperren.
Mensch vs. KI: Warum das eigene Handwerk dein persönliches Ikigai sein kann.
Lesezeit: ca. 6–8 Minuten
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Die Suche nach dem Heiligen Gral!
Vielleicht kennst du das: Du suchst nach deiner unverkennbaren, einzigartigen Stimme wie nach dem Heiligen Gral.
Ich kenne das nur zu gut. Ich habe mich selbst oft darauf fixiert, mich im Prozess total versteift und dachte: ‚Genau das hier, diese eine Technik, das muss jetzt mein Stil sein!‘
Aber heute möchte ich dir etwas sagen, das dich vielleicht überraschen wird: Hör auf, nach deinem Stil zu suchen. In dieser Blog Artikel räumen wir mit Mythen auf und schauen uns an, was die Wissenschaft dazu sagt und warum du wieder wild experimentieren solltest.
Sei frei, sei wild – und lass uns direkt reinstarten!“
Bevor wir loslegen, müssen wir klären, wovon wir reden. Die künstlerische Stimme umfasst die einzigartigen Entscheidungen, die du in Bezug auf Themen, Techniken, Farben und die allgemeine Ästhetik triffst. Sie ist ein Spiegelbild deiner Individualität und kreativen Identität. Sie ist der rote Faden, der sich durch dein Gesamtwerk zieht und dir eine wiedererkennbare Präsenz verleiht.
Aber hier ist die Wahrheit: Das Finden dieser Stimme ist ein dynamischer Prozess.
Dein Weg beginnt häufig mit dem Anlegen eines Skizzenbuchs. Hier hast du die Möglichkeit, dich auszutoben. Experimentiere hier wild, mal das, was dir gefällt, und allem voran: Es darf nicht schön aussehen. Gerade auf Social Media wird uns propagiert, dass ein Skizzenbuch perfekt sein muss. Absolut nein! Dies ist dein Ort für Farben, Texturen und Stile.
Ich habe für diese Folge tief in der aktuellen Forschung gegraben. Wer wissen will, warum unser Gehirn das zweckfreie Spiel im Skizzenbuch eigentlich braucht und gern den Ausführlichen Artikel der Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Irene Daum lese möchte, gibt es hier den Link.
Sie bestätigt nämlich, dass dieses zweckfreie „Spiel“ ,eine Aktivität ohne äußeren Zweck, die absolute Basis für Kreativität ist. Wenn du ohne den Druck malst, dass es „gut“ sein muss, schaltest du deinen inneren Kritiker aus. Nur so entstehen neue, eigene Wege im Gehirn. Zu Beginn zeichnest du das, was persönlich mit dir resoniert. Das ist gut so, denn wir entwickeln uns und unseren Anspruch ständig weiter.
Ich habe mich früher selbst fast darauf fixiert, meinen Stil zu finden. Ich dachte: „Ich zeichne Portraits mit Crosshatching-Lines auf eine ganz bestimmte Weise, das wird mein Stil!“ Oder Portraits in Ölfarbe gesplittet. Aber wisst ihr, was dann passiert? Man versteift sich. Man hört auf zu experimentieren, weil man glaubt, man hätte seine „Stimme“ gefunden. Und hier liegt der Hund begraben:
Wir hören auf, uns selbst den Raum zu geben, uns ausleben zu dürfen. Die Suche nach dem Heiligen Gral führt oft direkt in eine Sackgasse.
Lerne von anderen Künstlern!
Ein Punkt, den ich früher oft empfohlen habe: Kopiere von anderen Künstlern, um zu lernen. Heute sehe ich das differenzierter. Ja, du kannst lernen, wie man ein Werk harmonisch aufbaut. Aber die Crux ist: Du zwingst dich in ein kreatives Korsett.
Lass dich inspirieren, das macht jeder. Aber mach dein eigenes Ding draus. Wenn du am Anfang kopierst, um dir Skills beizubringen, ist das okay. Es ist eine Form der Praxis. Aber bleib nicht dort stehen.
Das führt mich zu meinem wichtigsten Tipp: Beherrsche dein Handwerk. Es gibt grundlegende Fähigkeiten, die jeder Künstler und Designer draufhaben sollte:
- Perspektive: Lerne Fluchtpunkte und die 3-Punkt-Perspektive.
- Anatomie: Wenn du Portraits willst, lerne die menschliche Anatomie, um Schattenwürfe im Gesicht wirklich zu verstehen.
Wenn du für ein Thema brennst, lerne erst die Basics. Sie befähigen dich nicht nur zu verstehen, was du tust, sondern sie geben dir die Freiheit, dich später wirklich persönlich weiterzuentwickeln. Zeichnen erfordert Praxis und diese Praxis ist das Fundament deiner Freiheit.
Die Marketingbrille
Wir müssen ehrlich sein: Der Drang, einen festen Stil zu finden, kommt heute oft von außen. Wenn wir die Marketingbrille aufsetzen, sehen wir schnell, warum wir uns diesen Stress machen:
Marketing-Experten predigen uns, dass Wiedererkennbarkeit alles ist. Man will die „Coca-Cola der Illustrationsszene“ sein
ein Blick aufs Bild, und jeder weiß, wer es war. Das klingt logisch für das Business, ist aber oft das Gift für die kreative Weiterentwicklung.
Jetzt höre ich schon die Marketing-Experten unter euch rufen: „Aber man muss sich doch spitz positionieren!“ Und wisst ihr was? Sie haben recht. Im Business-Kontext, gerade im Design, ist Wiedererkennbarkeit ein hohes Gut. Dein Traumkunde will wissen, was er erwarten darf.
Wenn er dich für ein Projekt bucht, sucht er Sicherheit. Er will nicht würfeln müssen, ob du heute im Stil X oder morgen in Technik Y lieferst. Er kauft ein Versprechen auf ein bestimmtes Ergebnis.
Wir glauben oft, wir brauchen diesen einen „Unique Selling Point“ (USP) – etwas, das uns so einzigartig macht, dass Kunden gar nicht anders können, als uns zu buchen. Und ja, auch ich sehe das so! Ein USP ist im Business essenziell. Aber wir müssen verstehen, woraus er wirklich besteht.
Kurzer Einschub:
An dieser Stelle muss ein Wort fallen, das in der Designbranche oft missverstanden wird: Konsistenz.
Konsistenz bedeutet nicht, dass du dich für den Rest deines Lebens auf eine einzige Pinseldicke festlegst.
Konsistenz ist viel mehr als nur die Optik deiner Gestaltung. Sie ist ein Versprechen an deinen Kunden. Dein USP ist oft gar nicht das fertige Bild, sondern wie du dahin kommst:
Deine Zuverlässigkeit, deine Art zu kommunizieren und deine methodische Herangehensweise. Das ist deine künstlerische Stimme. Der rote Faden, der sich durch dein Werk zieht, auch wenn die Techniken variieren.
Nutze dein Skizzenbuch, um wild zu sein und deine Stimme zu entwickeln.
Aber wenn du nach außen trittst, wenn du für Kunden arbeitest, dann sei konsistent in deinem Anspruch und deiner Professionalität. Dein wahrer USP ist die Kombination aus deinem handwerklichen Können (den Basics!), deiner einzigartigen Stimme und der Verlässlichkeit, die du ausstrahlst.
Abschließende Gedanken: Lass deine Kunst zu deinem Ikigai werden!
Zum Abschluss möchte ich noch einen Gedanken mit dir teilen, der mir in unserer heutigen Zeit besonders wichtig ist. Wir leben in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz innerhalb von Sekunden beeindruckende Bilder generieren kann. Das ist faszinierend, aber ich plädiere dennoch leidenschaftlich dafür, dem eigenen Handwerk eine echte Chance zu geben.
Warum? Weil das manuelle Erschaffen etwas kann, das dir keine KI der Welt geben kann: die tiefe innere Zufriedenheit und den Stolz, etwas aus eigener Kraft erreicht zu haben.
Es ist dieser Moment, in dem du merkst, wie deine Hand genau das umsetzt, was dein Kopf sich vorgestellt hat.
Vielleicht wird dieses Handwerk für dich sogar zu deinem persönlichen Ikigai zu dem Grund, der dich jeden Tag voller Vorfreude aufstehen lässt. Denn am Ende geht es nicht nur um das perfekte Ergebnis, sondern um den Weg, die Übung und das Gefühl, lebendig zu sein, während du erschaffst.
Also: Such nicht nach dem Heiligen Gral, sondern fang einfach an. Sei frei, sei wild und vertrau auf deine eigene Stimme.“
Entdecke meine Kunst
(ORIGINALE KUNSTWERKE & KUNSTDRUCKE)
Einige meiner Kunstwerke findest du in meinem Etsy-Shop oder direkt auf dieser Website. Wenn du dich in meinen unverwechselbaren Stil verliebst, schau gern in meinem Shop vorbei. Ich bin auch gespannt, was du von diesem Artikel hältst – hinterlasse gerne einen Kommentar.
Mit Liebe
Jenny
